Ein idealtypisches Konzept entsteht (Traum-Phase)
Die wichtigsten Konzeptgrundsätze
Warum eine Verbindung von Sozialarbeit und Ökologie?
Der Standort Berge im Havelland
Der Jugendhof auf Preußenland
Das Projekt wird konkret: Die Vereinsgründung
Die Bauplanungsphase
Entstehungsgeschichte
Anlaß und Rahmenbedingungen zu Projektbeginn

Im Jahre 1990, die DDR war gerade in der Auflösung begriffen, lobten große Firmen und Stiftungen Sondermittel als Starthilfe für Aufbauprojekte in den neuen Bundesländern aus. So stellte auch die Stiftung eines schwedischen Möbelhauses Sondermittel für sozial-ökologische Projekte im Bereich Kinder- und Jugendarbeit in Aussicht. Betriebsintern wurden Mitarbeiter aufgefordert, solche Projekte zu lokalisieren und vorzuschlagen. Bei IKEA in Berlin war zu jener Zeit der spätere Geschäftsführer und Vorsitzende des Jugendhofes Brbg. als Contract-Chef tätig. Auch Fidel Jahncke erreichte die Aufforderung, entsprechende förderfähige Projekte zu finden und der Stiftung in der Deutschlandzentrale zu melden.

Von nun an wurden für den Contract-Chef Geschäftsreisen und private Ausflüge nach Brandenburg zugleich auch Erkundungs- und Rechercheeinsätze. Aus dem scheinbar mühelosen Nebenjob wurde jedoch eine beschwerliche Suche nach ökologischen oder idealerweise sogar ökologisch-sozialen Projekten. Dies lag vor allem daran, daß der "Wessi" Jahncke von der DDR und dessen innerstaatlicher Organisation schier nichts wußte. Auch waren ihm die Lebensumstände und vordringlichen Problemstellungen der Bewohner völlig unbekannt, und konkret mußte er die Erfahrung machen, daß Umweltbewußtsein und ökologisch ausgerichtetes Handeln als gesellschaftlicher Wert in der DDR nur geringe gesellschaftliche Anerkennung gefunden hatten. Öko-Initiativen und lokale Umweltaktivisten waren schwer oder gar nicht auszumachen. Überhaupt schienen Begriffe wie "ökologisch", "umwelfreundlich" oder "ganzheitlich" nicht typischer DDR-Sprachgebrauch zu sein. Und eine diesbezügliche informative Vernetzung war wohl nur im Bereich der Staatssicherheit vorhanden.

Der Umweltschutz in der DDR wurde scheinbar eher als lokaler Naturschutz einiger weniger engagierter Einzelpersonen und Kleingruppen betrieben.

Dagegen war die Kinder- und Jugendpflege Staatsaufgabe in der DDR. Allerdings lösten sich in der Wendezeit viele Einrichtungen auf oder bekamen neue Aufgaben. Ein Großteil der verbliebenen sozialen Einrichtungen wurde von westlichen Sozialkonzernen - analog zu anderen Wirtschaftsbereichen - übernommen; die im bundesrepublikanischen Kinder- und Jugendhilfegesetz postulierte Vielfalt der Leistungsanbieter hatte bei dem vorgelegten Übernahmetempo bzw. der Übernahme von West-Strukturen (in Brandenburg vor allem von dem Patenland NRW) i.d.R. eine nachgeordnete Wertigkeit. Von staatlicher Seite wurden in der Jugendpolitik neue soziale Aufgaben und Ziele benannt. So sollte nicht mehr diszipliniert und weggeschlossen, sondern therapiert und sozial integriert werden; die berüchtigten Jugendwerkhöfe wurden aufgelöst, der Stafvollzug humanisiert und die Psychiatrien sollten keine "Restversorgungsstellen" sein. Es entstand im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen (MASGF) unter der Ministerin Regine Hildebrandt das Programm "Aufbruch Psychiatrie".

Nachdem es Fidel Jahncke nicht gelungen war, selbst eine förderfähige Einrichtung zu finden, wandte er sich an das Sozialministerium (MASGF) in Potsdam und einige Kreise westlich von Berlin. Westlich von Berlin deshalb, weil das gesuchte Projekt vom IKEA-Contrakt-Chef betreut werden sollte und weil die schlechte Infrastruktur, insbesondere auch bei der Telekommunikation, den persönlichen Einsatz des Projektbetreuers erfordern würde. Schnell wurde klar, daß durch die veränderten sozialpolitischen Aufgaben und Ziele ein besonderer Handlungsbedarf in der Betreuung und Versorgung von verhaltensauffälligen und/oder seelisch kranken Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestand.

Weiter war man auf der politischen Ebene besonders an der qualitativen Entwicklung und Sicherung von Arbeitsplätzen im Sozialsektor interessiert. Gegen einen besonderen ökologischen Anspruch gab es weder im Ministerium noch in den Kreisverwaltungen Einwände, nur gab es hierfür zunächst auch keine besondere Priorität.

Ein idealtypisches Konzept entsteht (Traum-Phase)

Nachdem die weitere Suche nach einem sozial-ökologischen Projekt nicht aussichtsreich war, aber ein großer Betreuungs- und Unterbringungsbedarf für benachteiligte und/oder seelisch kranke junge Menschen festgestellt wurde, zog Fidel Jahncke seine Lebenspartnerin Annette Kelb, eine Sonderpädagogik-Studentin der FU-Berlin, und eine kleine, wechselnde Zahl von "Sozial- und Ökobewegten" zu Rate, diese Gruppe diskutierte ein idealtypisches Konzept zur Betreuung des genannten Personenkreises.

In dieser Diskussion fanden die Erfahrungen der Beteiligten, die aktuelle sonderpädagogische Diskussion sowie der ökologische Zeitgeist ihre Berücksichtigung. Wichtig war dem Volkswirt Jahncke jedoch auch, daß das geplante sozial-ökologische Projekt einen realistischen sozialpolitischen Hintergrund, sprich einen langfristigen Bedarf und zugleich eine betriebswirtschaftliche Orientierung haben muß. Schon bei diesem Punkt löste sich die "Diskussionsgruppe Jugendhof" bereits auf, denn die meisten Teilnehmer beschäftigten sich lieber mit träumerischen Idealisierungen als mit einer realistischen und zeitnahen Umsetzungsfähigkeit.
Ein Resümee der Startdiskussion könnte sein: Auch Ideale müssen gemanagt werden, wenn sie Wirklichkeit werden sollen.

Unter dem Druck, ein konkretes Projekt vorschlagen zu wollen, entwickelte und verfaßte der IKEA-Mann Jahncke unter wesentlicher Mithilfe seiner Lebensgefährtin Annette Kelb das bis heute nahezu unveränderte Jugendhofkonzept.

Die wichtigsten Konzeptgrundsätze sind:

  • Der Jugendhof muß unabhängig sein und sein Konzept bzw. Betreuungsangebot frei gestalten können; auch Kostenträger haben kein Mitbestimmungsrecht.
  • Das Konzept des Jugendhofes baut nicht auf Ideologien oder Konfessionen; lediglich Demokratie, Humanismus sowie prophylaktischer Umweltschutz werden als übergeordnete Werte festgeschrieben. Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist selbstverständlich; der Jugendhof steht folglich Mädchen und Frauen sowie Jungen und Männern gleichermaßen offen.
  • Der Aufenthalt in der Einrichtung ist immer freiwillig. Es muß bei den Betreuten und deren Angehörigen erkennbar sein, daß sie die sozialpädagogische und therapeutische Arbeit aktiv unterstützen.
  • Die geringe Größe der Einrichtung und die Kleinheit der einzelnen Wohn- und Beschäftigungsbereiche ist Voraussetzung, um einen familienähnlichen Wohn- und Betreuungscharakter zu erhalten. Die Kleinheit und Überschaubarkeit gewährleistet zudem schnelles, flexibles Handeln sowie große Mitgestaltungsmöglichkeiten der Mitarbeiter und auch der Betreuten.
  • Die Betreuten sollen nicht nur auf dem Hof wohnen, sondern auch über Tag beschult und beschäftigt werden. Die ganzheitliche und ganzzeitige Betreuung soll ein festes soziales Umfeld und einen durchstrukturierten Tagesablauf ermöglichen, um Destruktion und Passivität entgegenzuwirken.
  • Der Jugendhof muß diverse Beschäftigungsbereiche bieten, vor allem Landwirtschaft und Tierhaltung, Gartenbau, Forstwirtschaft und Holzbearbeitung, Bauhandwerk und Hauswirtschaft. Die Tätigkeiten selbst müssen erkennbar sinnvoll und abwechslungsreich sein sowie der Leistungsfähigkeit der Betreuten entsprechen, um affirmativ zu wirken und sofortige Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
  • Eine Vielzahl von Tieren soll gehalten werden, wobei die Tiere - insbesondere die Pferde - sowohl in der Landwirtschaft eingesetzt werden, als auch als therapeutische Hilfsmittel dienen können. Über die Tierversorgung kann Verantwortung, Fürsorge und Zuverlässigkeit entwickelt werden. Besonders der Umgang mit Pferden zwingt zu partnerschaftlichem Verhalten und fördert empathische Fähigkeiten.
  • Es soll ein großer Selbstversorgungsgrad bzw. erhebliche Eigenleistungen beim Aufbau und Betrieb der Einrichtung erbracht werden, damit sinnvolle, selbstmotivierende Beschäftigung ensteht. Diffuse und zerstörerische Aggressionen sollen sich in zielgerichtete, sozial anerkannte Tätigkeiten transformiert werden.
  • Die bauliche Gestaltung sollte Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner bieten und keinesfalls einen Heimcharakter haben. Die Bewohner sollen sich stolz mit ihrer Lebens- und Betreuungseinrichtung identifizieren können.
  • Um kein Ghetto für sozial Benachteiligte und psychisch Kranke zu bilden, ist eine Anlehnung an eine Dorfschaft gewollt. Weiter war deshalb von Anfang an eine Besucherfrequentierung möglichst von Gleichaltrigen, idealerweise über eine Umweltbildungsstätte, gewünscht.
  • Der Aufenthalt und die Betreuung auf dem Jugendhof muß zum Ziel haben, die jungen Menschen zu stabilisieren und mit ihnen eine realistische Lebensperspektive zu finden; nach der Ausgliederung sollen die Bewohner in der Lage sein, ein autarkes, selbstbestimmtes Leben in einer demokratischen, auf Mitarbeit und sozialer Anerkennung ausgerichteten Gesellschaft zu führen. Es gilt also, lebenspraktische und handwerkliche Fähigkeiten zu entwickeln, eine ausreichende Sozialkompetenz und Gruppenfähigkeit zu trainieren, eigene Fähigkeiten und Interessen, aber auch eigene Grenzen zu erkennen.
  • Einer Aufnahme bzw. einem Aufenthalt in der offenen Einrichtung JhBr. stehen entgegen: Extreme Gewaltbereitschaft, eine primäre Drogenproblematik, (sowie eine abnorme Sexualität, wenn diese für Dritte eine Gefahr darstellt).

Warum eine Verbindung von Sozialarbeit und Ökologie ?

Die Betreuung von verhaltensauffälligen, benachteiligten und/oder psychisch kranken jungen Menschen muß nicht zwangsläufig mit heren ökologischen Grundsätzen gekoppelt werden. Menschliche Zuwendung und professionelles pädagogisches Handeln sind bei der Jugendsozialarbeit sicher die wichtigsten Kriterien.

Zur Verbindung von Sozialarbeit und Ökologie kommt man über eine entsprechende "bürgerliche Allgemeinbildung", vor allem aber über den ganzheitlichen Ansatz und über die praktische, handlungsorientierte Arbeit, deren Selbstmotivation man idealerweise selbst erlebt haben sollte. (Der Wahlspruch des Jugendhofleiters lautet: "Komplexes Denken, vernetztes Handeln"):

  • Ökologisch orientierte Landwirtschaft - auf dem Jugendhof wird nach Bioland-Richtlinien gearbeitet - heißt Verzicht auf Spritzmittel und Kunstdünger; im Gegenzug sind in erheblichem Umfang mechanische und manuelle Tätigkeiten zu verrichten. Darüber hinaus sind durch die Fruchtfolgen die einzelnen Ackerschläge kleiner als in der üblichen Landwirtschaft. Alles zusammen bedeutet dies einen erhöhten Arbeitskräfteeinsatz. Bei vielen Bio-Betrieben - und so auch beim Jugendhof - werden Arbeitspferde zur Kulturpflege (z.B. Eggen, Striegeln, Kartoffelhäufeln ...), beim Gemüsebau und in der Forstarbeit eingesetzt. Also der ökologische Landbau bietet sinnvolle Beschäftigung für die Betreuten und erlaubt den Einsatz von Arbeitspferden als gewünschte therapeutische Begleitung. Zudem setzt die Kreislauf- wirtschaft das Halten von Tieren voraus, weil ansonsten die Düngergrundlage für den Ackerbau fehlt.
  • Ein weiteres Beispiel für eine Vernetzung ist der Ökobau. Hier ist ebenfalls häufig vermehrter manueller Arbeitseinsatz nötig, insbesondere bei der Verwendung von Baustoffen wie Holz und Lehm. Auf dem Jugendhof werden alle Wohngebäude dachbegrünt. Diese natürliche Dachhaut kann nur schonend und durch Handarbeit aufgebracht werden. Der Ökobau ist nach den Erfahrungen auf dem Jugendhof prinzipiell nicht teurer als der konventionelle Bau, jedenfalls dann nicht, wenn eine entsprechende Konstruktion gewählt wird und die arbeitsintensiven Bereiche in Eigenleistung entstehen.
  • Wohnpsychologie könnte man es nennen, wenn man die Planung von Gebäuden verstärkt unter dem "Wohlfühlaspekt" betreibt. Im Falle des Jugendhofes gingen wir von vornherein davon aus, daß viel Licht den geschädigten bzw. kranken Seelen der Bewohner gut tut. Also wurden die Gebäude und vor allem die Wohnräume nach Süden gelegt, die Fenster großzügig konzipiert, Rechte Winkel vermieden und selbst die Decken steigen in südlicher Richtung an und vermitteln ein großzügiges Raumgefühl. Die genannten Maßnahmen sind identisch mit dem ökologischen Aspekt mittels passivem Lichteinfall Energie einzusparen; man sieht, auch hier verbinden sich Sozialarbeit und Ökologie.

Der Standort Berge im Havelland

Der Standort Berge wurde durch den Landtagsabgeordneten und späteren Vereinsvorsitzenden Dr. Günter Neumeister ins Gespräch gebracht. In Berge war die Humboldt-Uni Berlin mit einer Versuchsstation für Getreideerträge sowie mit einem großen Schafstall für Beweidungs-, Dünge- und Futterversuche vertreten. Die Versuche mit den Schafen sollten eingestellt werden. Die Idee war nun, Jugendhof und Forschungsstandort zu einer Kooperation zu bringen. So war angedacht, die Versorgung der Tiere durch die Betreuten vornehmen zu lassen, den landwirtschaftlich/technischen Teil - sowie selbstverständlich die Forschung - sollte die Humboldt-Uni erbringen. Außerdem konnten ja auch Gebäude gemeinsam genutzt werden; es entstand also schon früh die Idee, dem Jugendhof einen Seminarteil anzugliedern. Im Grunde handelte es sich aber bei dem Vorschlag um einen Versuch, den Forschungsstandort zu retten.

Berge bot sich als Standort auch deshalb an, weil es an der Fernverkehrsstraße 5 (jetzt B 5 - Berlin <> Hamburg) und in 5 km Entfernung zu der damaligen Kreisstadt Nauen liegt. Berge hat eine gute Busanbindung und hatte damals sogar noch einen eigenen Bahnhof (Bergerdamm) mit Anschluß nach Berlin.

Die Infrastruktur war in Berge insgesamt gut, denn es gab (und gibt) im nahen Nauen ein Kreiskrankenhaus (seit dem Jahre 2000 sogar mit einer psychiatrischen Station und einem Jugendpsychiater: Herrn Dr. Schütze. > Vielen Dank für die hilfreiche Zusammenarbeit!). Außerdem befinden sich sowohl in Friesack (ÜAZ und OSZ) als auch in Nauen (JAW) überbetriebliche Ausbildungsstätten und allgemeinbildende Schulen. Schließlich ist die allgemeine Versorgungssituation in der Region Havelland recht ordentlich; lediglich im Freizeit- und Sportbereich war und ist die Lage in der Region HVL ziemlich trostlos.

In direkter und weiterer Umgebung von Berge gab es keine weiteren sozialen Einrichtungen; der damalige Landkreis Nauen befürwortete deshalb gleichfalls diesen Standort. Besonders erfreulich war die spontane Bereitschaft der Gemeinde Berge, das Vorhaben zu unterstützen; man versprach sich von dort Arbeitsplätze und in dem Wirrwarr der Nachwendezeit eine etwas konkretere Zukunft.

Der Jugendhof auf Preußenland

Der Standort Berge hatte jedoch noch einen weiteren und wohl ausschlaggebenden Reiz: Berge war ein früheres preußisches Domänengut, also ein dem Staat Preußen gehörender großer Landwirtschaftsbetrieb zur Versorgung von Verwaltung und Militär. Die Flächen wurden von einem Tierzuchtgut bewirtschaftet und standen nach der Wende unter Treuhandverwaltung. Das Land Brandenburg hatte jedoch einen "Restitutionsanspruch", wollte als Rechtsnachfolger der preußischen Verwaltung in den Besitz des Gutes (bzw. der diversen Preußen-Güter) kommen. Die Interessen des Landes Brandenburg wurden vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (MELF) wahrgenommen. Eine eigene Bewirtschaftung war nicht vorgesehen.

Das Sozialministerium, das Umweltministerium (MLUR), das Landwirtschaftsministerium (MELF) sowie die Humboldt-Uni Berlin befürworteten eine Verpachtung von gut 34 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche an den Jugendhof. Die damals sehr in der Kritik stehende Treuhandanstalt zeigte sich in der Sache äußerst generös und verpachtete prompt und zu guten Bedingungen die gewünschten Flächen am Rande des 500 Einwohner-Dorfes Berge zum 1. Oktober1992. Diese Konstellation war deshalb für das Projekt JhBr. so förderlich, weil ansonsten sich in dem veränderten Rechtssystem kaum Besitzübergänge grundbuchlich belegen bzw. Eigentümernachweise erbringen ließen. Der Pacht- und Grundstücksverkehr war deshalb in den neuen Bundesländern sehr schwierig und erschwerte den Aufbau-Ost.

Das Projekt wird konkret: Die Vereinsgründung

Nachdem der Standort gefunden, der Bedarf für die sonderpädagogische Einrichtung auf fachlicher Ebene (u.a. durch die Jugendpsychiatrien) bestätigt, die kommunalen Gebietskörperschaften befragt und die Unterstützung des Landes Brandenburg ausgesprochen wurde, stand die Vereinsgründung an. Es mußten nunmehr Anträge gestellt und Verträge geschlossen werden, dazu bedurfte es einer rechtsfähigen Struktur. Es war diskussionslos, daß der Träger des Projektes ein gemeinnütziger Verein werden sollte, allerdings kein "Publikumsverein" wie z.B. ein Sportverein, sondern die Mitglieder sollten einen inhaltlichen bzw. beruflichen Bezug zur Tätigkeit des Jugendhofes haben oder z.B. Institutionen vertreten, die mit dem Jugendhof auf der Arbeitsebene in Verbindung stehen.

Die Frage war deshalb, wer sollten die mindestens sieben Personen sein, die zu einer Vereinsgründung per Gesetz vorgeschrieben sind. Bisher hatten das Projekt Fidel Jahncke und Annette Kelb vorangetrieben. Der Landtagsabgeordnete Dr. Günter Neumeister hatte sich bei der Standortsuche und in den Ministerien für den Jugendhof eingesetzt; unterstützt wurde er von seiner Wahlkreis-Assistentin Christina Wulf, die sich gleichfalls zur Mitgliedschaft bereit fand. Die Gemeinde Berge entsandte den Dorfschullehrer Herrn Lehmann; der Kreis Nauen wurde von der Sozialdezernentin Angelika Krüger-Leißner und dem Jugendhilfeplaner Dr. Siegfried Helbig vertreten. Das Tierzuchtgut Berge benannte die Gattin des dortigen Geschäftsführers zur Mitarbeit, Frau Kriese fehlte dann allerdings bei der Gründungsveranstaltung.

Am 30. Dezember 1991 trafen sich die vorgenannten Personen im "Kulturraum" der Gemeinde Berge und führten die Gründungsversammlung durch. Die Auswahl der Gründungsmitglieder zeugt von dem regional-integrativen Bemühen des Jugendhofes schon von Beginn an. So kreisten die Diskussionen während der Gründung auch weniger um Humanismus oder Ökologie, sondern vielmehr um die Art und den gegenseitigen Nutzen der zukünftigen Zusammenarbeit. Die dann beschlossene und nachträglich nur unwesentlich modifizierte Satzung ist im Anhang nachzulesen.

In der anschließenden, konstituierenden Vorstandssitzung wurde auch der erste Vorstand gewählt: Dr. Neumeister wird bedrängt, den Vorsitz zu übernehmen. Seine Stellvertreter werden Annette Kelb und Dr. Helbig. Fidel Jahncke wurde als zunächst ehrenamtlicher Geschäftsführer berufen. Alle Wahlen erfolgten einstimmig.
Auf Grund der schwierigen Kommunikationsverhältnisse übernimmt Christina Wulf, bzw. das Landtagsbüro von Dr. Neumeister die Eintragung in das Vereinsregister und die Organisation vor Ort. Fidel Jahncke ist über IKEA-Berlin zu erreichen und betreibt von dort die Akquirierung von Fördermitteln und die Planungsarbeiten. Bereits in der ersten öffentlichen Vorstandssitzung wurde ein erster Investitionsplan diskutiert und eine Grobplanung vorgestellt.

Die Bauplanungsphase

Wer je gebaut hat, weiß, daß die Planungsphase die schönste Zeit beim Bauen ist. Wünsche gedeihen und alles scheint möglich; noch kann man sich Är- ger mit Handwerkern, die Relativierung von Terminen und Zusagen, die Grenzen eigener Mitwirkungsmöglichkeiten oder gar flutartig anschwellende Kosten nicht vorstellen. Noch werden die erheblichen Interessenkollisionen nicht sichtbar, die allein in den Tatsachen begründet sind, daß die Bauwilligen Träume verwirklichen möchten, alle anderen Beteiligten jedoch vor allem Geld verdienen wollen; Träumer und Taschenräuber könnte der Titel einer tragisch-komischen Fernsehserie über das Geschehen am Bau lauten.